Der Tradition verpflichtet
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Wenn am Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Hohensteiner Familie ein Trauerfall eintrat, wandten sich die Angehörigen zunächst an Georg Schüppel, welcher als Zeremonienmeister der hiesigen Weberinnung für die würdevolle Bestattung der Hohensteiner Bürger verantwortlich zeichnete.
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Eine Aufstellung der Bestattungskosten aus einer Nachlassverwaltung im Jahr 1919
Hier wird Franz Schüppel benannt, der zu dieser Trauerfeier einen “Landauer” zur Verfügung stellte und diesen vermutlich auch gefahren hat.
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Soweit möglich wurden dann die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt und in einer Hausandacht von diesen Abschied genommen. Danach fuhr dann der Landwirt und Fuhrwerksbesitzer Franz Schüppel (Altvater von Enrico Schüppel) die Toten auf einem mit Pferden gezogenen “Leichenwagen” durch die Stadt zum Friedhof. Begleitet wurde der Wagen von den nächsten Angehörigen, Freunden und Bekannten des Verstorbenen. Bei reicheren Bürgern war es üblich, dass dieser Trauerzug zusätzlich von den Adjuvanten begleitet worden ist, welche schwarze Flaggen (Trauerflor) neben dem Wagen und Palmenwedel vor diesem hertrugen.
Auch damals gab es schon Überführungen über grössere Entfernungen. So war es für Franz Schüppel nicht unüblich nach der alltäglichen Feldarbeit den “Leichenwagen” anzuspannen und nach Chemnitz zu fahren um die im dortigen Frauenklinikum verstorbenen nach Hohenstein zu überführen.
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3 Generationen auf einem Wagen
Auf dem Kutschbock Willy (vorn) und Heinz (im Hintergrund) Schüppel
Im Vordergrund links Franz Schüppel zur Herrenpartie um 1930 im Landauer
Dieser wurde im Übrigen auch zur Überführung von Kindersärgen genutzt
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So war dies auch zu der Zeit als Willy Schüppel die Aufgaben von seinem Vater Franz übernahm, doch die Kriegszeiten führten zu deutlichen Veränderungen in der Trauerkultur der Stadt Hohenstein-Ernstthal. So war eine Hausandacht aufgrund befürchteter Bombenangriffe nicht mehr möglich und so holte er die Verstorbenen zusammen mit den Sargträgern zu Hause ab und überführte diese zum Hohensteiner Friedhof, wo dann die Trauerfeier durchgeführt worden ist. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Überführung der verstorbenen Kriegsopfer aus dem Lazarett auf dessen Gelände sich heute das Pflegeheim und Gästehaus “Betlehemstift” befindet und welches ebenfalls Zufluchtsort für zahlreiche Flüchtlinge, u.a. aus Chemnitz, war. Um 1954/1955 gab Willy Schüppel sein Unternehmen auf, doch die Pferde gehörten weiterhin zum Leben unserer Familie.
So war es nicht verwunderlich, dass sein ältester Sohn Heinz Schüppel das Gewerk wenig später als reines “Fuhrunternehmen” wieder aufleben liess. Die Überführung der Verstorbenen bildete ebenfalls einen wesentlichen Bestandteil des Unternehmens. Zu den letzten von ihm überführten Verstorbenen gehörte der bekannte und verdiente Hohensteiner Pfarrer Kurt Rietzsch, welcher am 27.12.2004, dem Eröffnungsdatum des “Bestattungshaus Schüppel”, 120 Jahre alt geworden wäre. Dieser wurde zunächst zur Trauerfeier in die Hohensteiner St. Christophori Kirche gebracht und dann die Hinrich-Wichern-Straße hinauf und von der Gemeinde begleitet zum Friedhof gebracht, wo er beigesetzt worden ist.
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Pfarrer Kurt Rietzsch
Am 27.12.2004, dem Eröffnungstag des “Bestattungshaus Schüppel” wäre er 120 Jahre alt geworden.
Noch heute erzählen sich die Bürger von Hohenstein Anekdoten über den verdienten und bekannten Pfarrer.
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Wenig später hielt dann der technische Fortschritt in Hohenstein-Ernstthal Einzug. Die Verstorbenen wurden nun im Auto eines Ernstthaler Bestattungsunternehmens zum Friedhof überführt und nur noch wenige entschieden sich für den von Pferden gezogenen “Leichenwagen”. Der wartungs- und damit kostenintensive “Leichenwagen” wurde abgebaut und einer neuen Bestimmung zugeführt. Ein wichtiges Stück der Hohensteiner Trauerkultur ging damit dem Ort verloren.
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Im März 1960 wurden, nach dem Abrüsten des Hohensteiner Leichenwagen, die Pferde vor diesen Ernstthaler Wagen gespannt um ein Familienmitglied zum Hohensteiner Friedhof zu überführen. Heinz Schüppel hatte sich diesen von der Ernstthaler “Memento Mori Gesellschaft” ausgeliehen.
Dieser sah übrigens unserem Hohensteiner Wagen sehr ähnlich.
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1985 übernahm sein Sohn Reinhard Schüppel zunächst eine Anstellung und später die Stelle des Friedhofsverwalters auf dem Hohensteiner St. Christophori Friedhof und machte sich kurz nach der Wende mit einem “Friedhofsservice” selbständig. Zu Beginn des Jahres 2011 hat er sein Unternehmen an Enrico Schüppel übergeben, welcher dies nun in seinem Sinne in einem eigenständigen Unternehmenszweig fortführt. Reinhard Schüppel ist hier nun als Mitarbeiter tätig.
Von ihm wurde Enrico Schüppel schon früh für den Umgang mit Trauernden und die Thematik “Tod und Trauer” sensibilisiert. Durch die Tätigkeit seines Vaters war dieses Thema in der Familie stets präsent und so wuchs in ihm der Wunsch ein eigenes Bestattungsunternehmen zu führen. Während seiner Ausbildung zum Versicherungskaufmann lernte er die dafür notwendigen kaufmännischen Grundlagen und war später als Manager in einem Berliner Unternehmen tätig, wo er seine unternehmerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen und verfeinern konnte. Im weiteren Verlauf seiner beruflichen Laufbahn absolvierte er ein Praktikum bei einem renommierten Bestattungsunternehmen, welches ihm “sehr gute Voraussetzungen” bescheinigte. Sehr schnell wurde dann der frühere Wunsch als Bestatter tätig zu werden in einem eigenen Unternehmen umgesetzt, welches an die Tradition seiner Familie anknüpfen soll.
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Während man früher noch elegante Pferdewagen für Überführungen nutzte, setzen wir, dank unseres Kooperationspartners, “ANTEA Bestattungen Chemnitz GmbH”, moderne Überführungsfahrzeuge ein.
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Leider gibt es im Archiv der Familie Schüppel keinerlei historische Dokumente oder Bilder vom früheren Leichenwagen oder Trauerzügen an denen das Unternehmen Schüppel beteiligt war, so dass wir hier keine historischen Bilder zeigen können.
Sollten sich in ihren Archiven oder Alben derartige Bilder befinden, würden wir uns über entsprechende Informationen oder Kopien freuen.
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